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Einzelheiten zur Mestliner
Kirche

mehr zur Geschichte der Kirche Mestlin steht
auch in der Mestliner Chronik,
und ist online
hier
erhältlich.
Die Dorfkirche zu Mestlin bei Goldberg gehört zu den größten
und schönsten im Lande. "Dehio" spricht von einer schönen "stattlichen
Anlage".
Mestlin ist schon in früher Zeit ein Zentralort gewesen. 1312 haben hier der dänische
König Erich und der brandenburgische Markgraf Waldemar über Maßnahmen gegen die
mächtige Seestadt Rostock beraten. Fünf Jahre später bestätigt der Fürst Johann von
Werle, Goldberg seiner Residenzstadt, alte Sonderrechte. Vielleicht haben diese
Staatsaktionen Anstoß gegeben, den ersten Kirchenbau, von dem der Chor erhalten ist,
weiter auszubauen. Dieser Bau der Anfangszeit wird um 1250 errichtet sein. Es ist ein
wuchtiger Feldsteinbau romanischer Baugesinnung, etwas jünger als in Frauenmark und
Benthen. Auf einem sorgfältigen gemauerten Sockel bauen sich die schweren Mauern auf, nur
durch schmale, rundbogig geschlossene Mauerschlitze unterbrochen, auf der Südseite zwei,
auf Ostseite hinter dem Altar drei, eine sogenannte Drei -Einigkeitsgruppe.
Auf der Nordseite fehlt ein Fenster. Die hier bauten, hatten noch die alten Bauten aus
sorgfältig behauenen Quadersteine Westfalens im Sinn, der alten Heimat aus der die ersten
deutschen Siedler gekommen waren. In den Mörtel zwischen den Granitsteinen ritzten sie
mit rot ausgemalten Linien Schein-Quader und täuschten so einen Quaderbau vor . An der
Ostaußenwand sind noch Reste erhalten .
Das Schönste an dem Bau ist der Ostgiebel über dem Altar, nun schon in Backstein
gebaut. Über einem "Deutschen Band" fünf Rundbogen-Blenden mit feinen
Säulchen und kleinen Kapitälen, darüber, wieder über einem "Deutschen Band",
in einer Blende ein aus Rundstäben gebildetes Kreuz, das weit übers Land leuchtet und es
unter die Herrschaft Christi stellt.
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Der schöne Ostgiebel |
Ein steigender Rundbogenfries umfasst das
Giebeldreieck. Unter den vielen reich geschmückten Ostgiebeln, an deren andere
Seite dem Sonnenaufgang zugewandt ist, ist der Mestliner einer der schönsten.
Das Innere des Altarraums - annähernd würfelförmig - ist von einem schweren
achtteiligen Kuppelgewölbe mit Schlussring überdeckt. Er ist nach außen
abgeschlossen wie ein Bunker, in dem man Zuflucht sucht, in dem man geborgen
ist. Mit einem breiten gedrückten Spitzbogen öffnet sich der Chor zu dem völlig
andersartigen Raum des Kirchenschiffes. Durch zwei bis drei Generationen hat der
Bau geruht, bis er fortgeführt wurde. Inzwischen hatte sich die Baugesinnung
gründlich geändert. Die Bauweise der Gotik hatte am Ende des 13. Jahrhunderts in
unserem Lande Einzug gehalten. Nicht mehr fest abgeschlossene Räume, sondern
weite Hallen, deren Wände sich in breiten Fenstern öffnen, so dass der Innenraum
mit der Außenwelt statt sich abzuschirmen zusammenfließt. Sternberg ist dafür
das beste Beispiel. Mit dem etwas älteren Bau dort hat der Baumeister hier
sicher in Verbindung gestanden. Die Höhe und Schlankheit des Raums wie die
Breite der Fenster hat ihn begeistert. Und so entsteht ein Bau von
ungewöhnlichen Verhältnissen: Die Höhe vom Boden bis First ist gleich der Länge
des Kirchenschiffes, die Höhe der Kirchenmauern gleich der Breite des
Kirchenraums. Gegenüber dem Sternberger Vorbild ist der Bau reduziert (zwei
statt drei Kirchenschiffe aber gerade so sehr eigenartig). Zwei überschlanke
achteckige Pfeiler tragen das steile Gewölbe und teilen die weite Halle in zwei
Schiffe. Zweischiffige Kirchen mit Männer und Frauenseiten sind in Mecklenburg
nicht selten. Aber in keiner, Recknitz bei Laage ausgenommen, ist ein so
reizvoller lichter Raum entstanden, der etwas von der Weite des Weltalls an sich
hat -
ein Rund im Ostgiebel des Kirchenschiffes weist auf den Kosmos -, das der
Sternenhimmel überspannt. Die Gewölberippen sind mit Sternen -Scheibchen belegt.
Die Gewölberippen, die in Längs- und Querrichtungen laufen (Schneid und Gurt
Bögen ) steigen vom Boden auf, während die Diagonalrippen hoch, wenig unter dem
Gewölbe ansetzen. In der Nikolaikirche in Rostock sind Pfeiler und Gewölbe
gleich konstruiert. Der Erweiterungsbau scheint mit dem Turm begonnen zu sein,
der wohl als Taufkapelle Gegenpol zum Altarraum war. In ihn führt ein
Westportal, das in seinen schweren Formen fast romantisch wirkt. Das Südportal,
das sich zum Kirchenschiff öffnet, ist jünger mit seinem dreimaligen Wechsel von
Rund und Birnstab.
Die Turmanlage, die man fast als Westwerk bezeichnen kann, ist
kaum über das Erdgeschoss hinausgekommen. Erst 1749 (Datumsstein auf der
Südseite) ist er mit seitlichen Einsprüngen um zwei Stockwerke höher geführt und
dann mit der Glockenstube in Fachwerk und einem Zeltdach abgeschlossen.
Von der mittelalterlichen Inneneinrichtung ist außer dem Eucharistie Schrank, in
dem das geweihte Abendsmahlbrot aufbewahrt wurde, nur die Triumphkreuz -Gruppe
erhalten.
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Die Kreuzigungs-
gruppe |
Im Dehio heißt es: "Auf dem Triumphbalken
eindrucksvolle Kreuzigungsgruppe um 1500, besonders der Kruzifixus Schnitzwerk
von hervorragender Qualität, an den Enden der Kreuzungsarme die geschnitzten
Evangelistensymbole Triumphkreuz! Es geht kein anderer Weg zum Altar, zur Gnade
als unter ihm hindurch.
Aus welcher Zeit der Walfischknochen stammt? Ist er eine mittelalterliche
Reliquie - etwa vom Fisch des Jonas? Oder nur eine Rarität oder beides?
Und dann hat jede Zeit in ihrer Weise die Kirche ausgeschmückt. Das
Reformationsjahrhundert die Taufschale mit dem Bild des Sündenfalls (Römer 6),
wohl eine Nürnberger Arbeit.
Das Jahrhundert des 30 j. Krieges hat den alten abgestellten Altar und die
Kanzel von 1698 mit den vier Evangelisten, von dem Auferstandenen bekrönt. Man
lese und bedenke die Bibelworte und ihre Auswahl. Auch der Pfarrstuhl mit seinen
lustigen Fratzen ist zu nennen; endlich das Altarbild von 1859 "Die Kreuzigung"
von Gaston Lenthe, der auch das Kreuzigungsbild des Schweriner Domaltars gemalt
hat. Und der Schönste Schmuck der Kirche -- die Gemeinde. Gebe Gott, dass sie
sich in diesem Raum immer wieder sammeln möge, damit dieser herrliche Bau, den
unsere Väter Gott zu Ehren und der Gemeinde zur Sammlung errichtet und
ausgeschmückt haben, nicht eine Hülle, nicht ein Museum sein möge. Gerhard
Voß
Ersterwähnung Mestlin: 13.10.1312 bei oben genannten Treffen
Die Dorfkirche von Mestlin
1312: In einer Urkunde, die ein Treffen
des Königs Erich von Dänemark mit dem Markgrafen Waldemar von Brandenburg
festhält, wird erwähnt, dass der Ort des Treffens unsere Mestliner Kirche
gewesen sei. Auf die Frage, wie die Kirche zu damaliger Zeit ausgesehen haben
mag und warum gerade Mestlin der Ort des Treffens war, geben die Urkunden keine
Auskunft. Durch die romanische Baugesinnung des Chores (Feldsteinausführung,
Rundbogenfenster) kann aber davon ausgegangen werden, dass dieser Teil der
Kirche in der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet worden ist, also zur Zeit der
Begegnung schon gestanden hat. 1317, fünf Jahre später, wird am gleichen Ort
durch Johannes J. Fürst von Werle (Goldberg ) seiner Residenzstadt Goldberg
Sonderrechte bestätigt. Aber es wurde an der Kirche weitergebaut. So wurde mit
der Errichtung des Turmes begonnen, der aber nicht sehr weit in die Höhe geführt
wurde, erst im 18. Jahrhundert wurde er mit der Errichtung der Glockenstube aus
Fachwerk vollendet (siehe Datumsstein an der Südseite ). Zwischen Turm und Chor
oder kleiner Kirche mag sich bis ins 14. Jahrhundert ein Behelfsbau aus Holz
befunden haben, der dann durch die heutige große Halle ersetzt wurde.
Doch wenden wir uns erst noch einmal dem Chorraum zu. Der Raum, fast
würfelförmig, wird von einem achtteiligen Kuppelgewölbe mit Schlussring
überdeckt.
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Der Altar |
Altar: Der neugotische Altaraufsatz ein
Ausstattungsstück aus dem 19.
Jahrhundert, wird beherrscht durch das Kreuzigungsbild des Malers
Gaston Lenthe . Er verdeckt leider den Blick auf die drei Fenster in der
Ostwand, die sonst den Chorraum erhellen würden. Hingewiesen sei noch auf die
geschnitzte Stuhlwange am Pastorengestühl aus dem 17. Jahrhundert. Der
Taufstein, eine Zementgussarbeit aus dem vergangenen Jahrhundert.
Die Hallen: Die große Halle der Kirche erbaut im gotischen Bausstil, der den
Blick in die Kirchenhöhe zieht, wird durch zwei schlanke Säulen, auf denen die
Gewölbe ruhen in zwei Schiffe geteilt. Es ist den Bauleuten gelungen einen
lichten Raum zu schaffen, der nicht einengt, sondern etwas von Weite spüren
lässt.
Die Menschen jeder Zeit haben dann die Kirche auf ihre Weise ausgeschmückt.
Triumphbalken:
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Die Kreuzigungs-
gruppe |
Die Kreuzigungsgruppe auf dem Triumphbalken kam im 16.
Jahrhundert an diesen Platz. Die Hand eines uns unbekannten Meisters schuf Jesus
am Kreuz.
Gruppe unter dem Kreuz: Maria, seine Mutter und Johannes, einen seiner Jünger.
Kanzel:
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Kanzeldetail |

Decke der Kanzel

Die Kanzel |
Aus dem 18. Jahrhundert sind die Kanzel und der auf der
Orgelempore abgestellte Altaraufsatz eine im naiven Bauernbarock
ausgeführte Arbeit eines einheimischen Meisters. Gestiftet 1698 von Hans Brandt
und seiner Ehefrau (siehe Inschrift).
Zu nennen sei noch das einfache Eichenholzgestühl, das in den Jahren1689 -1747
für die Kirche angeschafft wurde. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche mit dem
schon erwähnten Altaraufsatz von 1859 versehen und 1855 wurde eine Orgel
eingebaut, in der die Windlade einer älteren Dobbertiner Lüttgemüller Orgel
verarbeitet wurde. Diese Orgel hat aber nicht einmal 100 Jahre lang ihren Dienst
tun dürfen. Als der damalige Pastor aus dem Kriege nach Hause kam, war die Orgel
zerstört und konnte bis heute noch nicht wieder erneuert werden.
Aus dem 20., also unserem Jahrhundert, finden wir
eine Gedenktafel des 1. Weltkrieges aus der Kirchengemeinde Mestlin.
Glocken: Im Turm hingen zwei Glocken, die größere 1683
in Schwerin von einem Meister Siebenbaum gegossen, musste 1944 abgeliefert
werden und wurde für Rüstungszwecke eingeschmolzen. Die kleinere Glocke, 97 cm
Durchmesser, wurde 1776 von J. V. Schulz in Rostock gegossen.
Grab: Die in den Kirchenfußboden eingelassenen
Grabplatten bezeichnen nicht die platten Begräbnisstätten, sondern sind
nachträglich vom Friedhof hereingeholt worden.
Der Kirchenraum: Er dient der Mestliner Gemeinde in der wärmeren
Jahreszeit als Gottesdienstraum, ganzjährig werden verstorbene Gemeindeglieder
von hier aus zu Grabe getragen.
Die Gemeinde ist mit der Erhaltung der Kirche vor eine große Aufgabe gestellt.
Schritt für Schritt werden die Arbeiten angegangen. So konnte 1985 und 1986
elektrisches Licht und eine Bankbeheizung installiert werden. In den kommenden
Jahren wird das Äußere der Kirche und die Fenster repariert werden, um dann auch
den Innenraum neu herzurichten.
(Text zur Verfügung gestellt von Propst Jens
Krause, Mestlin)
mehr zur Geschichte der Kirche Mestlin steht im ersten Teil
der Mestliner Chronik, erschienen im Juni 2001 und ist online
hier
erhältlich.
mehr zu Baudenkmälern in
Mecklenburg-Vorpommern:
www.kulturportal-mv.de

 
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