Mestlin kontra Windkraft
Die Gemeinde Mestlin hat mit großer
Unterstützung von Bürgern und einer Bürgerinitiative sich bisher gegen die
Windkraft in ihren Gemeindevertretersitzungen ausgesprochen. Dabei geht es nicht
gegen die Windkraft generell, sondern gegen die massenweise Aufstellung dieser
Anlagen. Unter anderem werden neue Vorschriften in den Genehmigungsverfahren
gefordert, sowie die Anhörung von Bürgern und die Berücksichtigung ihrer
Erfahrungen.
Hier einige ausgewählte Berichte, die aktuellsten stehen am Ende:

28. September 2001: Bürgerinitiative Windkraft
formiert sich
Windkraft soll in Mestlin keine Chance bekommen.
(aus der
SVZ-Lokalausgabe Parchim)
Das zumindest erhoffen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative, die am Abend im Kulturhaus der Gemeinde tagte. In Anwesenheit der Bürgerbeauftragten
des Landes, Heike Lorenz, diskutierten sie über Möglichkeiten, wie der
Wildwuchs der Windkraftanlagen in der unmittelbaren Umgebung gestoppt werden
kann. Die Bürgerbeauftragte will die Problematik noch einmal mit den zuständigen
Ministerien beraten und anregen, die Mindestabstände zu bewohnten Gebieten zu
überarbeiten. Da Windkraft ein Bundesgesetz ist, sind auch die Möglichkeiten
der Einflussnahme relativ gering.

Den Mitgliedern der Gemeindevertretung, so Bürgermeister
Uwe Schultze, soll am 10. Oktober 2001 ein Beschlussentwurf vorgelegt werden, mit dem
ein Bebauungsplan vorgezogen und den in der Diskussion befindlichen Flächennutzungsplan
ergänzen soll. Zusätzlich soll eine Veränderungssperre beantragt werden, um
weitere Bauvorhaben in Sachen Windkraft zumindest für die nächsten zwei Jahre
aufzuhalten. Hintergrund sind die zwischen Mestlin und Hohen Pritz entstehenden
14 Anlagen, mit jeweils einer Höhe von insgesamt 123,5 Metern, die die bereits
bestehenden Anlagen
in den Nachbarorten Kladrum, Hof Grabow und Groß Niendorf ergänzen.
Weitere Informationen über die Bürgerinitiative "Windkraft":
Sigrid Benditz, Telefon 038 727 - 80 342

13. Januar 2003
(aus der
SVZ-Lokalausgabe Parchim)
Viel Gesprächsstoff um den Wind
Bürgerinitiative "Windkraft - Wie
weiter" lud zum Forum nach Mestlin ein
Mestlin. Ein Forum zum Thema
Windkraftnutzung in Mecklenburg Vorpommern fand am Montag in Mestlin statt.
Eingeladen hatte die Bürgerinitiative "Windkraft-Wie
weiter?".
Petrus schien es am Montag nicht gut zu meinen mit der Bürgerinitiative (BI).
Die Teilnehmer des Forums, unter ihnen Umweltminister Prof. Dr. Wolfgang
Methling und Arbeits- und Bauminister Helmut Holter sowie zahlreiche Vertreter
von Ämtern und Gemeinden, trafen sich auf dem Hof der Familie Renate Knorr in
Hohen Pritz. "Von hier aus sind normalerweise die unnatürlichen Riesentürme
deutlich zu sehen und deren Auswirkungen zu spüren", so Peter Enterlein von
der Mestliner BI. Nicht jedoch an diesem Tag, Nebel und trübes Wetter
verhüllten die nur wenige hundert Meter entfernten und über 100 Meter hohen
Windkraftanlagen.
Wenig später trafen sich alle zu einer Diskussionsrunde im Speisesaal der
Schule. Themenschwerpunkt war auch das Genehmigungsverfahren. Die betroffenen
Bürger berichteten, dass sie trotz schalldichter Fenster ständig dem Lärm der
Rotorblätter ausgesetzt sind. Die Blinklichter auf den
Anlagen strahlen in den Gläsern der häuslichen Vitrinen.
"Weitere gesundheitliche Schäden sind nicht auszuschließen. Wer schützt uns?"
fragte Susanne Reichert aus Ruest Ausbau.
|

Umweltminister Prof.Dr. Wolfgang Methling
(stehend) auf dem Mestliner Forum. Rechts neben ihm sitzend Arbeits- und
Bauminister Helmut Holter, links neben dem Umweltminister die
Bürgerbeauftragte des Landes, Heike Lorenz. |
All diese Bedenken,
so Umweltminister Methling, werden ernst genommen. Und 106 Eignungsgebiete im
Land bedeuten auch, dass in anderen Gebieten keine Anlagen entstehen. Und jede
Kilowattstunde regenerativ erzeugter Strom bedeutet 0,7 Kilogramm
Kohlendioxid-Ausstoß weniger. Allerdings, das wurde deutlich gesagt an diesem
Abend, haben sich die technischen Anlagen auch verändert. Anlagen von weit
über 100 Meter Höhe gehören heute zur Normalität. Die älteren haben sich
"eingefahren" und entsprächen nicht heutigen Erkenntnissen, so die
Bürgerinitiative.
Werden diese Erkenntnisse bei den neuen Genehmigungen
berücksichtigt? Wie kann eine Kommune sich wehren, ohne einen Finanzkollaps zu
erleiden? Antworten darauf sucht die BI und sie wurden durch die
ministeriellen Fachleute aus Schwerin zum Teil gegeben. Doch zufrieden waren
die Mitglieder der BI nicht. Vor allem zu lange werden die neu zu
erarbeitenden Richtlinien diskutiert und bis dahin entstehen weitere Anlagen,
befürchten sie.
Minister Holter wies auf den bereits bestehenden Gestaltungsspielraum der
Kommunen hin. Flächennutzungs- und Bebauungspläne seien zu nutzen. "Doch was
nützt dies, wenn die Kommune in ihrer Entscheidung beeinträchtigt wird? Eine
Ablehnung kann durch ein kreisliches Einvernehmen ersetzt werden", entgegnete
die Lübzer Bürgermeisterin Gudrun Stein.
Die Diskussion konnte die Probleme nicht klären. Aber ein Anfang ist gemacht
und laut Umweltminister sollten in kleinerem Rahmen weitere Gespräche folgen.
"Die Hand ist auch von uns ausgestreckt, denn wir sollten Partner und keine
Feinde sein", so Methling.
Michael-Günther Bölsche
Weitere Informationen über die
Bürgerinitiative "Windkraft - Wie weiter":
hier klicken

